... auf unseren Hospiz-Pilgertag am 10.07.2010
Schon ordentlich warm war es, als wir uns um 11:00 Uhr vor der Kirche St. Evermarus in Rheinberg – Borth trafen. 32 Menschen hatten sich eingefunden, um mit uns auf dem Jakobsweg zu pilgern, von Borth über Ossenberg nach Rheinberg.
Pastor Burg hat uns in der Kirche empfangen und vom hl. Evermarus berichtet. Borth gehört zu den vier Zentren der Verehrung des hl. Evermarus, der - der Legende nach - auf der Rückkehr von einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela erschlagen wurde. Seit 1784 wird in der Pfarrkirche eine Evermarus-Reliquie verehrt. Eine Jakobsmuschel ziert das Tabernakel.
Der Hausherr hat uns auch auf anderes aufmerksam gemacht, was eine direkte Verbindung zum spanischen Wallfahrtsort herstellt, z.B. ein ewiges Licht aus der Kathedrale, das Kirchenfenster mit der Abbildung des hl. Jakobus und die inneren Eingangstüren sind mit Jakobsmuscheln verziert. Er hat unsere Pilgerplaketten gesegnet und in seiner kurzen Ansprache eindrucksvoll die Verbindung zwischen Pilgern und Hospizarbeit hergestellt. Nach dem ersten gemeinsamen Lied ( eine Kollegin hat einen Liederzettel zusammengestellt und jeweils eine ‚Hospizpilgerstrophe’ gedichtet) : Danke für diesen guten Morgen…, und dem niederrheinischen Pilgersegen, gespendet von unsere Seelsorgerin Schwester Theodore, hieß es dann „Aufstellung zum Gruppenfoto“.
Damit uns die Sonne nichts anhaben konnte, wurden gelbe Kappen verteilt und Sonnencreme angeboten und dann ging es los Richtung Ossenberg.
Die ersten marschierten strammen Schrittes los und entlang der verdorrten Felder und Wiesen konnten wir uns alle vorstellen, dass dies eine Pilgerstrecke ist, wie sie auch in Spanien anzutreffen wäre. Die Sonne brannte ohne Unterlass auf uns herab und bald wurden die Abstände zwischen den Pilgern etwas größer. Man hat mal mit diesem und mal mit jenem Menschen gesprochen, manche Abschnitte wurden schweigend gelaufen. Singen wollte auf diesem Stück keiner, bald aber hatten wir unseren Rhythmus gefunden und die Füße haben sich fast von alleine bewegt.
Wie dankbar waren wir alle, als wir nach einer guten Stunde in Ossenberg am Schloss ankamen und dort auf eine gut organisierte ‚Wasserstelle’ und Decken unter einem ausladenden Wallnussbaum trafen. Pause! Schuhe aus, Wasser trinken und uns freuen, dass wir das erste Stück des Weges gut gemeistert haben.
In der Schlosskapelle war es kühl und die evangelische Pastorin Ulrike Thölke hat unser Motto: ‚Geht doch!’ zum Anlass genommen, darüber zu sinnieren und hat uns an ihren Gedanken teilhaben haben. Wie viel einem zu zwei Worten einfallen kann! Manches war zum Schmunzeln, vieles hat uns nachdenklich gemacht. Nach dem Psalm 62 in einer Interpretation von Hans Dieter Hüsch und einem ‚Vater unser’ hat uns der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der Ossenberger Schlosskapelle e.V., Herr Klaus Helmes, lebhaft und anschaulich über die bewegte Geschichte des kleinen Gotteshauses informiert. Auch hier gab es viel Neues und alle haben interessiert zugehört. Sogar heute noch ist die Kapelle als Simultaneum ein Gotteshaus, in dem sowohl Evangelen als Katholiken ihre Andachten und Messen feiern. Was es doch am Niederrhein alles gibt!
Innerlich und äußerlich gestärkt wollten fast alle auch den zweiten Teil des Weges laufen, aller Hitze zum Trotz und so ging es weiter in Richtung Rheinberg, Treffpunkt St. Peter. Schnellen Schrittes ( der Asphalt war so heiß!! ) marschierten die Pilger und haben nur knapp 50 Minuten gebraucht, um St. Peter und seine kühlen Kirchenräume zu erreichen.
Schwester Theodore verteilte an alle Anwesenden ein Bild des hl. Jakobus, der im Hochaltar der Kirche zu bewundern ist und erzählte etwas aus dem Leben dieses heiligen Mannes. Jakobus, Sohn des Zebedäus, war mit seinem Bruder Johannes einer der ersten Jünger Jesu gewesen. Zur Missionierung wurde er nach Spanien entsandt und starb unter Herodes als erster Apostel den Märtyrertod durch das Schwert. Unklar ist, wie seine Gebeine nach Santiago de Compostela gelangt sind. Aber neben Jerusalem, Rom und Canterburry entwickelte sich Santiago de Compostela im 9. Jahrhundert zu einem der großen Pilgerziele der christlichen Welt. Der heilige Jakobus ist der Nationalheilige der Spanier und wird als Schutzpatron der Pilger verehrt. Sein Festtag ist der 25. Juli und immer wenn dieser Tag - wie in diesem Jahr - auf einen Sonntag fällt, spricht man von einem Heiligen Jahr.
Zum Schluss der Ausführungen wurde das Halleluja von Taize als Kanon gesungen – der heilige Jakobus hätte seine helle Freude daran gehabt.
In der Zwischenzeit war eine kleine Gruppe ins Hospiz vorgefahren und hatte sich, zusammen mit dem Küchenleiter um Speis und Trank gekümmert.
Das letzte Stückchen Weg ging fast von alleine, vorbei an der Steele des Jakobsweges liefen wir zum Hospiz und konnten den Text des Liedes: ‚Mich brennts in meinen Reiseschuhen’ gut nachvollziehen.
Im Hospiz war es kühl, die Tische mit Jakobsmuscheln und Sonnenblumen geschmückt, das Essen schon fertig und ganz lecker, die Getränke reichhaltig und vielfältig, so dass jeder zufrieden da saß und alle auf alle stolz waren. Wir haben es geschafft, trotz Hitze sind wir ungefähr 10 Kilometer gepilgert. Und wenn es morgens noch hieß ‚Geht doch!’ so wußten wir am Abend es ‚Ging doch!’.
Gut die Hälfte der Pilger ist noch geblieben und hat sich den Film: Saint Jacques … Pilgern auf Französisch angesehen, um danach mit einem guten Gefühl nach Hause zu gehen.
Beate Bergmann
Hospizleiterin
Mechthild Schindler
Koordinatorin
Anja Achilles
Ehrenamtliche Mitarbeiterin
Die Pilgergruppe unterwegs
Die Pilgerplakette und die Jakobsmuschel wurde an alle Pilger verteilt.
